Marneschlacht und Schlieffenplan 1914

Vom Bewegungs- zum Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg

Am Beobachtungsstand im Aisnetal - Sammlung Prof. Giesbrecht
Am Beobachtungsstand im Aisnetal - Sammlung Prof. Giesbrecht
Mit dem so genannten "Wunder an der Marne" scheiterte der Schliefenplan und der deutsche Vormarsch kam im September 1914 zum Stillstand.

Der Zweifrontenkrieg, der seit Jahren schon drohend im Raume stand, war im August des Jahres 1914 unausweichlich geworden, und die deutschen Chancen standen schlecht. Allein schon die Zahlenverhältnisse zwischen den verfeindeten Mächten sprachen für sich: Die Mittelmächte (Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich) verfügten über 3,8 Millionen Mann im Feldheer, den Alliierten standen 5,7 Millionen Mann zur Verfügung. Das Urproblem der deutschen Kriegführung lag aber letztlich darin begründet, mangels Masse keinen Zwei-Fronten-Krieg führen zu können. Allein eine strategische Option, knapp zehn Jahre vor Kriegsausbruch vom damaligen Chef des Generalstabes Alfred von Schlieffen entworfen, schien einen Ausweg zu bieten.

Der Schlieffenplan

Graf Alfred von Schlieffen (1833-1913) war davon überzeugt, dass ein kommender Krieg kurz sein würde, vor allem, weil ein langer Krieg die europäischen Handels- und Industrienationen ruinieren müsste. Schlieffen ahnte, dass der künftige Krieg ein Zwei-Fronten-Krieg sein würde, und er wusste zugleich, dass das Deutsche Reich nicht gegen zwei Fronten zugleich erfolgreich sein könnte. Von 1891 bis 1905 Chef des Generalstabes, arbeitete er intensiv an einer Strategie, die es ermöglichen sollte, trotz unterlegener Kräfte einen solchen Krieg zu gewinnen. Sein schließlich berühmt gewordener „Schlieffenplan“ sah im Kern vor, zunächst das französische Feldheer mit einem großen Schwenk quer durch Belgien und an Paris vorbei zu umfassen und auszuschalten. Erst nach einem raschen Sieg über Frankreich sollte dann Russland mit massierten Kräften angegriffen werden.

Risiken des Schlieffenplanes

So unwiderstehlich die Strategie Schlieffens auch schien, so barg sie doch enorme Risiken. Zunächst einmal zwang der Plan, zu dem es bei Kriegsausbruch 1914 keine Alternative gab, zu einem Angriff auf das neutrale Belgien, was wiederum nahezu zwangsläufig dazu führen musste, dass sich Großbritannien auf die Seite der deutschen Kriegsgegner warf. Riskant war zudem, dass die Heeresleitung die Masse der Kräfte auf den rasch vorrückenden rechten Flügel des Feldheeres richten musste, ohne irgendeine Sicherungsalternative zu haben. Paris musste umfasst und das französische Feldheer eingekesselt werden und zwar schnell, um nach einem alles entscheidenden Sieg im Westen möglichst rasch die vorrückenden russischen Verbände aufhalten zu können.

Die Schlacht an der Marne (5. bis 12. September 1914)

Zunächst verlief alles nach Plan. Rasch durchzogen die deutschen Verbände Belgien und im September 1914 standen fünf deutsche Armeen zwischen Paris und Verdun (etwa 50 km nordöstlich von Paris). Jedoch, bis zur Kanalküste waren sie nicht vorgedrungen, sondern schwenkten stattdessen östlich von Paris stehend nach Süden hin ab. An der Marne hatte sich eine starke französisch-britische Streitmacht versammelt, die nun die Initiative übernahm. Mit einem überraschenden Gegenangriff durchstießen sie die deutschen Linien zwischen der 1. und 2. Armee auf einer Länge von rund 40 Kilometer und strömten nun mit massierten Kräften in diese Lücke hinein (8. September 1914). Daraufhin brach der Chef des deutschen Generalstabes Helmuth von Moltke die Schlacht ab und gab den Befehl zum Rückzug. Die deutschen Verbände zogen sich in den folgenden Tagen geordnet bis zur Aisne rund 80 km zurück und gruben sich dort ein. Ihre Niederlage allerdings war umfassend.

Konsequenzen der Schlacht an der Marne

Mit dem „Wunder an der Marne“ war der Bewegungskrieg zum Stillstand gekommen und jede Chance, das französische Feldheer in einer großen Umfassungsschlacht auszuschalten, war verloren. Nunmehr ging der Bewegungskrieg in den Stellungskrieg über, und von der Kanalküste bis zur Schweizer Grenze entstand ein Hunderte Kilometer langes und verzweigtes Netz von Schützengräben und Unterständen. Eine schnelle Kriegsentscheidung konnte es eindeutig nicht mehr geben. Was folgte war ein Zermürbungskrieg mit immer neuen und blutigen Materialschlachten, bis die Kräfte der Mittelmächte im fünften Kriegsjahr endlich erschöpft waren.

Dr. Richard Sautmann, Dr. Richard Sautmann

Richard Sautmann - Dr. Richard Sautmann, von Beruf Historiker und freiberuflicher Autor. Nach dem Magisterstudium an der Universität Oldenburg und ...

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